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International Fellow Dr. Andrea Rehling – #Connecting Europe for 25 Years

Andrea Rehling

Von der britischen Entscheidung, die EU zu verlassen, erfuhr Andrea Rehling auf einem Schweizer Bahnhof. Wenig später kam die deutsche Historikerin für ihr erstes Visiting Fellowship ans Europainstitut nach Basel. In ihrem Jubiläumsbeitrag erklärt sie, wie die dort geführten Diskussionen um die Zukunft Europas ihren Blick erweitert und ihre weitere Arbeit geprägt haben.


Die Nachricht vom «Brexit» erreichte mich an einem Bahnhof in der Schweiz. Ich war gerade auf dem Rückweg von Archivrecherchen zu meinem Forschungsprojekt zur Geschichte des UNESCO Welterbeprogramms im Völkerbundarchiv in Genf und mental noch völlig auf internationalistische Ideale orientiert. Selbst völlig fassungslos war ich konsterniert, wie meine Schweizer Mitreisenden die Nachricht aufnahmen: das Verständnis für die britische Mehrheit war groß und schnell wurde das Votum in Beziehung zur Volksabstimmung «Gegen Masseneinwanderung» gesetzt, wobei die Stimmung sehr EU-kritisch und teilweise schlicht ausländerfeindlich war.

Kurz darauf trat ich mein Fellowship am Europainstitut an. Herzlich aufgenommen, stellte ich schnell fest, dass das Institut die Fragen, die sich mir nach dieser Bahnfahrt zur Zukunft Europas gestellt hatten, längst aufgegriffen hatte. In Gastvorträgen und Podiumsdiskussionen sowie der am Europainstitut stattfindenden Forschung waren bereits Antworten gefunden, aber auch noch deutlich weiterführende Fragen entwickelt worden, die meinen Horizont und den der neuaufgeflammten Europadiskussion in der Schweiz, aber auch international ein ums andere Mal erweiterten.

Ich selbst habe auch darüber hinaus von der vielfältigen Expertise am Institut sehr profitiert. Schnell ging es in unseren Gesprächen auch um Internationalismus, Internationale Organisationen und Citizenship. Wir diskutierten über transkulturelle Verflechtungsprozesse, Agency von Akteuren und Europa in den Welten verschiedener Zeiten. Meine Forschung ist diesen Gesprächen und Debatten, die beim Apéro und Grillieren fortgesetzt wurden, in vielfältiger Weise verbunden. Außerdem ließen sich Kontakte und Freundschaften zu internationalen Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen knüpfen.

Das Institut stellt so auf ganz unterschiedlichen Ebenen wichtige Verbindungen über Europa hinaus her: Seid beglückwünscht zu 25 erfolgreichen Jahren und von Herzen alles Gute für die Zukunft!

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Dr. Andrea Rehling ist Geschäftsführerin des Jakob-Fugger-Zentrums an der Universität Augsburg. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Universalgeschichte des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz, wo sie zwischen 2013 und 2016 das Forschungsprojekt Wissen der Welt – Erbe der Menschheit: Die Geschichte des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO leitete. Am Europainstitut war die Historikerin von August bis Oktober 2016 und von April bis Juni 2017 als International Fellow zu Gast.

In den Jubiläumsstories kommen im Herbst 2018 und im Frühjahr 2019 Forschende, Studierende, Alumni und andere, dem Europainstitut verbundene Personen zu Wort. Ihre Beiträge fügen sich ein in das Jubiläumsmotto «Connecting Europe for 25 Years» und veranschaulichen auf vielfältige Weise, wie das Europainstitut seit einem Vierteljahrhundert Menschen verbindet und lokale und globale Verknüpfungen von Wissen aufzeigt.

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