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In Zusammenarbeit mit dem Schwabe Verlag und der Demokratie Stiftung Basel fand am 4. März in der Sandgrube ein Diskussionsabend zum Thema «Auf/bruch in eine neue Welt?» statt. Der Direktor des Europainstituts Prof. Dr. Corey Ross durfte rund 80 Gäste in der bis zum letzten Platz besetzten Orangerie begrüssen.
Im Zentrum der Veranstaltung stand dabei die Vernissage des Buches von Andreas Zivy mit dem Titel Die dekonstruierte Gesellschaft oder das Ende der Aufklärung (Oktober 2025). Der internationale Handelsunternehmer aus Basel las aus dem Buch einige besonders pointierte Passagen vor, bevor ein längeres Gespräch zwischen ihm und dem Moderator, Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss, seinerseits Verleger des Schwabe Verlags und Vorsitzender der Theodor Heuss Stiftung und des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, seinen Anfang nahm.
So erfuhr das Publikum, dass vor allem Frustrationen über den Gang der Welt, etwa einen mancherorts an der Schwelle zum Erfolg stehenden Populismus, das Aufkommen einer Wahrheit aushebelnden und damit demokratiezerstörenden Social Media, oder aber auch ein generelles Versagen der Eliten (insbesondere der Wirtschaftselite), der Grund waren, wieso der Autor überhaupt zur Feder griff. Das Buch, so Zivy, soll eine ganzheitliche Erklärung bieten, nicht zuletzt für einen sich beschleunigenden Demokratieabbau. Die Sorge um die liberale Demokratie und der «bürgerlichen Aufklärung» (mit ihren «Segnungen und Schattenseiten», so der Autor im Buch) war dabei immer wieder deutlich spürbar.
Ob das nicht einfach ein Kassandraruf sei, frage Heuss. Vielmehr und im besten Fall ein Weckruf, antwortete Zivy. Er wolle nicht pessimistisch sein, sondern eher alarmistisch – und ärgere sich selbst über die teils nostalgischen Stellen im Buch. Und so gab es ein munteres Hin und Her und ein weiter Bogen wurde gespannt, bis hin zur Frage, ob die Schweiz mit ihrem politischen System denn eventuell besser gewappnet sei gegen den Demokratieabbau. «Ja», meinte Zivy.
Im Anschluss trugen Dr. Carlotta Manz und Prof. Ralph Weber kurze Kommentare zum Buch vor. Manz wies auf das Problem hin, dass die mächtigen Akteure der Tech-Branche kaum von der Politik zur Verantwortung gezogen würden, nicht einmal in menschenrechtlich relevanten Bereichen. Weber hinterfragte, ob das befürchtete Ende der Aufklärung nicht einfach ein Ankommen Europas in der seit Jahrzehnten gelebten Wirklichkeit vieler Teile der Welt bedeute.
Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum spiegelten die Vielfalt der aufgebrachten Aspekte und konvergierten dann bald auf einen entscheidenden Punkt hin. Ist die Analyse, die das Buch liefert, welche die Welt doch schon weit aus den Fugen geraten sieht, letztlich nicht doch zu pessimistisch? Könnte man nicht wenigstens einige der nachgezeichneten Entwicklungen nicht auch optimistischer interpretieren? An diesem Punkt schieden sich die im Raum versammelten Geister. Mit einem aus dem Publikum emphatisch vorgetragenen Votum, dass Geschichte sich weder wiederhole noch reime, sondern im Grundsatz eben ergebnisoffen sei, und dass man aus dieser Einsicht doch auch Mut und Hoffnung schöpfen könne, endete ein überaus angeregter Diskussionsabend.