Über das Haus

Das in neobarockem Stil gestaltete Herrschaftshaus an der Gellertstrasse 27 wurde 1873 errichtet und 1896 um eine Gartenveranda erweitert. Das Haus steht im ehemaligen Residenzquartier Gellert, in dem nur noch wenige Villen erhalten geblieben sind, da die meisten den an ihrer Stelle errichteten Mehrfamilienhäusern gewichen sind. Bauherr war der damals einunddreissigjährige Privatbankier Hermann La Roche-Burckhardt (1842-1921). Architekt war Johann Jakob Stehlin-Burckhardt der Jüngere (Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters, Johann Jakob Stehlin der Ältere). Er entwickelte den Nutzungsplan für das ausserhalb der alten Stadtmauern gelegene Quartier, in dem wohlhabende Familien ihre Obst- und Rebgärten hatten (vgl. Rolf Brönnimann, Basler Bauten 1860-1910. Basel 1973 und 1982). Der Name „Gellert“ geht nicht auf den deutschen Dichter Christian Fürchtegott Gellert zurück, sondern leitet sich von „Göllhart“ (göll für hell, gelichtet) ab, was „gerodete Hard“ bedeutete. Das Vorfeld der Stadtmauern (das Glacis) war aus Sicherheitsgründen seit langem gerodet worden (vgl. National-Zeitung vom 7. Dezember 1943).

Bauherr La Roche blieb bis zu seinem Tod 1921, also während über fünfzig Jahren, Herr dieses Hauses. 1922 ging es an den damals dreiunddreissigjährigen Unternehmer und späteren Verwaltungsratspräsidenten der Firma Geigy und Handelskammerpräsidenten Carl Koechlin (1889-1969) über. Seine Nachkommen boten 1995 das repräsentative Haus der Universität zur Nutzung an. Bekanntlich gibt es in Basel ein grosszügiges Mäzenatentum zu Gunsten der Alma Mater. Es wurde aber nicht nur ein „altes Haus“ zur Verfügung gestellt, sondern mit den hierfür erforderlichen Mitteln sein Innenumbau nach den Bedürfnissen des künftigen Instituts ermöglicht. So wurde aus der geräumigen Küche der heutige Plenarraum geschaffen, in dem heute der Unterricht stattfindet und die Tagungen durchgeführt werden, und dieser mit einem Lichthof ausgestattet. Das 1992/93 geschaffene und im Herbst 1993 am Tag des Inkrafttretens des Maastrichter Vertrags in Betrieb gegangene Europainstitut verbrachte seine erste Zeit in Provisorien (im Stadtcasino im Zentrum der Stadt) und darf nun seit 1995 Nutzniesserin dieses wunderbaren und von einem grosszügigen Garten umgebenen Ortes sein.