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Die Historikerin Danelle van Zyl-Hermann wurde zum Thema Entwicklungshilfe in Afrika interviewt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdankte Europa seinen Wiederaufbau nicht nur den USA, sondern wesentlich auch afrikanischen Rohstoffen. Das Gespräch erschien im Wissenschaftsmagazin UNINOVA der Universität Basel, Ausgabe Nr. 126 vom November 2025.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Europa in Trümmern und die gängige Erzählung betont bis heute die US-amerikanische Unterstützung durch den Marshallplan. Doch laut Danelle van Zyl-Hermann greift dieses Bild zu kurz.
Europa profitierte massiv von afrikanischen Rohstoffen, die in kolonialen Strukturen gefördert und exportiert wurden: Kupfer für Infrastruktur und Rüstungsindustrie, Hartholz für den Kohleabbau und Asbest als vermeintliches Wundermaterial. Ohne diese Ressourcen, so van Zyl-Hermann, hätte Westeuropa seine wirtschaftliche Fortschritte nicht entfalten können.
Afrikanische Gesellschaften hingegen profitierten kaum, da ihr vorrangiges Ziel die politische Unabhängigkeit, nicht ökonomischer Gewinn war. Der Blick auf die Nachkriegszeit verschiebt sich damit grundlegend: Europa erhielt nicht nur Hilfe aus den USA, sondern auch in unfreiwilliger Form aus Afrika. Und bis heute ist Europas Wohlstand wie auch die «grüne Zukunft» auf afrikanische Rohstoffe, insbesondere Lithium, angewiesen.
Danelle van Zyl-Hermann ist Postdoktorandin am Europainstitut. Zuvor war sie am Departement Geschichte der Universität Basel tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Rolle afrikanischer Rohstoffe im Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg.