
Dr. Adam Przywara
Postdoc (SNF)
Europainstitut der Universität Basel
Riehenstrasse 154
CH-4058 Basel
Tel: +41 61 207 48 55
Housing Waste: Recycling Industrial By-Products into Construction, and the Globalisation of Building Research
Zweites Buchprojekt, Europainstitut, Universität Basel (2025–2030)
Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde die Produktion der gebauten Umwelt zu einem Feld wissenschaftlicher und industrieller Transformation, die unter anderem von einem neuen Typ modernisierender Institution vorangetrieben wurde: dem Bauforschungslabor. Zu den bedeutenden Beispielen zählen die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (1880), die britische Building Research Station (1921), das polnische Institut für Bauforschung (1945) und das indische Central Building Research Institute (1947). Dieses Projekt untersucht eine wiederkehrende Agenda dieser weltweit verbreiteten Institutionen: die Umwandlung industrieller Nebenprodukte („Abfallprodukte“) in Rohstoffe für das Bauwesen.
Die Aufwertung von Bagasse, Holzspänen, Hochofenschlacke, Flugasche, Bergbauabfällen, Schwefel und anderen Reststoffen leistete einen wichtigen Beitrag der Bauforschung zur Senkung der Kosten im Wohnungs- und Infrastrukturbau. Im 20. Jahrhundert entstand diese Forschung als Reaktion auf Materialknappheit und kriegsbedingte Wirtschaftskrisen, zur Unterstützung der Autarkiebestrebungen lokaler Industrien und staatlicher Verwaltungen sowie zur Verringerung der Abhängigkeit von volatilen und zunehmend globalisierten Rohstoffmärkten. Die Entwicklung einer Forschungsagenda rund um das Recycling von Abfällen förderte neue Beziehungen zwischen dem Bauwesen und anderen Industriesektoren und steigerte die Effizienz und Geschwindigkeit der Bauproduktion, zugleich aber auch den Ressourcenverbrauch, die Emissionen und das Abfallaufkommen.
Das Projekt untersucht, in welchem Ausmass die gebaute Umwelt dadurch zu einer „Senke“ für immer vielfältigere und unvorhersehbarere Stoffe geworden ist. Es fragt danach, wer von diesem Prozess profitierte, wessen Probleme der Ressourcenknappheit oder Abfallentsorgung dadurch gelöst wurden und welche negativen Folgen er für die menschlichen und nichtmenschlichen Bewohner:innen der daraus entstandenen Umwelten hatte. Die Forschung wird in meine zweite Monografie münden, die eine Globalgeschichte industrieller Abfälle durch die gebaute Umwelt entwickelt und damit die Geschichte des Bauens fest in einer umfassenderen Umweltgeschichte des Anthropozäns verankert.
Circular Reconstruction: Rubble, Labor, and Rebuilding of Warsaw after 1945
Erstes Buch, erscheint voraussichtlich 2027/2028
Die Geschichte Warschaus, der Hauptstadt Polens, wurde im 20. Jahrhundert grundlegend durch die Gewalt imperialistischer und industrieller Kriegsführung geprägt. Während der deutschen Besatzung (1939–1945) kam mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung ums Leben, und 85 Prozent der Gebäude wurden zerstört. Warschau, einst eine bedeutende Metropole Osteuropas, verwandelte sich in eine fremdartige Trümmerlandschaft, geprägt von Tausenden irreparabel beschädigten Gebäuden und 40 Millionen Tonnen Trümmern. Circular Reconstruction untersucht, wie die Materialität dieser Umwelt die Nachkriegsgeschichte Warschaus prägte. Auf der Grundlage einer Fülle bislang unerforschter Archivquellen zeichnet das Buch den Metabolismus nach, der Gesellschaft, Ruinen und die sozialistische Regierung während des Wiederaufbaus miteinander verband. Es zeigt, wie neben der Arbeit der Bewohner:innen, Architekt:innen und Wirtschaftsplaner:innen auch die Trümmer die Eigentumsverhältnisse der Nachkriegszeit, die industrielle Organisation, das materielle Fachwissen sowie Warschaus Architektur und Landschaft beeinflussten. Zugleich zeigt die Studie, wie die sozialistische Regierung die Planwirtschaft nutzte, um die Wiederverwendung von Trümmern zu maximieren und so den Wiederaufbau Warschaus unter Bedingungen extremer Knappheit und wirtschaftlicher Stagnation zu ermöglichen. Die daraus hervorgehende Analyse rückt das Verhältnis zwischen Trümmern und Arbeit als zentralen konzeptionellen und methodischen Rahmen in den Vordergrund, um das soziale, wirtschaftliche und politische Leben zu verstehen, das in durch moderne bewaffnete Konflikte grundlegend veränderten gebauten Umwelten entstand. Indem Circular Reconstruction zugleich Praktiken der Instandhaltung, Reparatur und Wiederverwendung ins Zentrum stellt, liefert das Buch einen wichtigen historischen Kontext für die gegenwärtige Stadt- und Architekturentwicklung, die heute mit einer Zunahme von Trümmern konfrontiert ist, deren Ausmass das vergangener und gegenwärtiger Kriege bei Weitem übersteigt.
Adam Przywara ist Architekturhistoriker, Kurator und Postdoktorand am Institute for European Global Studies der Universität Basel. Er besitzt einen MPhil in Architectural History and Theory (The Bartlett, UCL) sowie einen PhD in Architecture (University of Manchester). Seine Dissertation wurde mit zwei der renommiertesten Auszeichnungen des Fachs geehrt: dem Theodor-Fischer-Preis (2024) und dem SAH David B. Brownlee Dissertation Award (2025). Er hat zahlreiche Ausstellungen kuratiert, darunter die grosse historische Schau Rising from Rubble: Warsaw 1945–1949(Muzeum Warszawy, 2023), die mit dem Architekturpreis des Warschauer Bürgermeisters ausgezeichnet wurde. Derzeit finalisiert er sein erstes Buch Circular Reconstruction: Reuse, Recycling, Landfilling in Postwar Architecture (erscheint 2027) und entwickelt in Basel sein zweites Buchprojekt zur Rolle der gebauten Umwelt als Senke industrieller Rückstände seit dem 19. Jahrhundert.
Ausbildung
2022 — PhD in Architecture, University of Manchester (passed without corrections)
2016 — MPhil Architectural History, The Bartlett, UCL (distinction)
2015 — BA History of Art, University of Warsaw
Wissenschaftliche Positionen
2025–Heute — Postdoctoral Researcher, SNSF-Projekt The Battle of Materials, Europainstitut, Universität Basel
2023–2025 — Postdoctoral Researcher, SNSF-Projekt Urban Bricolage, Social Anthropology Unit, Universität Freiburg
2019–2021 — Teaching Assistant, Department of Architecture, University of Manchester
Ausstellungen
2023 — Warsaw 1945–1949: Rising from Rubble, Kurator, Museum of Warsaw
2019 — See You After the Revolution. 100 Years of Bauhaus, Co-Kurator, Arsenal Gallery, Białystok
2018 — The Art of Joining: Designing the Universal Connector, Co-Kurator, Bauhaus Foundation, Dessau
Auszeichnungen
2025 — SAH David B. Brownlee Dissertation Award
2024 — Theodor Fischer Award, Zentralinstitut für Kunstgeschichte
2023 — Architectural Award of the Mayor of Warsaw
Fellowships
2025 — Theories of Architecture Fellowship, TU Delft
2024 — Reisestipendium, Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)
2020 — Forschungsstipendium, Deutsches Historisches Institut, Warschau
2018 — Bauhaus Lab Fellow, Bauhaus Foundation, Dessau
Publikationen verfügbar unter: adamprzywara.com
Buchmanuskripte
Przywara, Adam. Circular Reconstruction: Rubble, Labor, and Rebuilding Warsaw after 1945. Buchmanuskript im Begutachtungsverfahren bei der University of Minnesota Press.
Begutachtete Zeitschriftenaufsätze
Przywara, Adam. 2026. “From Ruins to Resource: Recycling Rubble in the Socialist Reconstruction of Warsaw.” The Journal of Architecture, August, 1–25. DOI.
Przywara, Adam. 2025. “Wartime Circularity: Adapting Buildings, Salvaging Materials, and Designing Supply Chains for Ukraine.” Urban Research and Practice, October, 1–18. DOI.
Kobi, Madlen, and Adam Przywara. 2025. “Circular Economy as Human-Material Relation: Understanding the Reuse of Building Materials through Historical Sources and Ethnographic Data.” Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History 21 (1): 57–80. DOI.
Przywara, Adam. 2024. “Mining for Embodied Coal: Building Material Reuse in the Postwar Reconstruction of Warsaw.” Ardeth 13: 141–59. DOI.
Zeitschriften-Sonderheft
Kobi, Madlen, Adam Przywara, and Elena Sischarenco, eds. “Circular Cities: Motivations, Challenges and Prospects of Building Material Reuse in Urban Contexts.” Sonderheft, Urban Research & Practice 19, Nr. 1 (2026).
Herausgegebene Bände
Przywara, Adam, ed. 2023. Zgruzowstanie: Przeszłość i przyszłość ruin w architekturze [Past and Future of Ruins in Architecture]. Warsaw: Museum of Warsaw.
Denny, Paul, and Adam Przywara, eds. 2018. The Art of Joining: Designing the Universal Connector. Leipzig: Spector Books.
Buchbeiträge
Przywara, Adam. 2025. “Afterlife or Rebirth? Warsaw in the 1940s.” In Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945–1948, edited by Anna Pietrasik and Rebekka Gross, 121–29. Berlin: Ch. Links Verlag.
Przywara, Adam. 2023. “R for Rubble.” In Wastiary: A Bestiary of Waste, edited by Miriam Picard et al., 72–74. London: UCL Press.
Przywara, Adam. 2023. “Historia przemiany gruzów w architekturę powojennej stolicy.” In Zgruzowstanie, edited by Adam Przywara, 40–110. Warsaw: Museum of Warsaw.
Denny, Paul, and Adam Przywara. 2018. “Frontiers of Prefabrication / Prefabrication on Frontiers.” In The Art of Joining: Designing the Universal Connector, edited by Paul Denny and Adam Przywara, 45–63. Leipzig: Spector Books.
Auftragsessays
Przywara, Adam. 2025. “The Right to Ruins.” e-flux Architecture (Framing Renovations). e-flux Architecture.
Devlieger, Lionel, Michael Ghyoot, Arne Vande Capelle, Karen Steukers, Louise Vanhee, and Adam Przywara. 2025. “Circular Design Principles: Between Theory and Practice.” e-flux Architecture (Chronograms of Architecture). e-flux Architecture.
Przywara, Adam. 2025. “Salvage for Ukraine.” The Architectural Review, May, 26–30.
Przywara, Adam. 2024. “Rubble with a Cause.” The Architectural Review, September, 16–25.